Sigenergy PV-Anlage: vier Wochen ohne eine einzige echte Kilowattstunde aus dem Netz
Meine ersten vier Wochen mit einer Sigenergy PV-Anlage samt SigenStor-Speicher und Home-Assistant-Anbindung per Modbus TCP: warum ich gerade keine echte Kilowattstunde aus dem Netz ziehe und wo der Haken liegt.
Veröffentlicht · 23. Juli 2026

Seit vier Wochen habe ich eine Photovoltaikanlage auf dem Dach.
Und seit vier Wochen habe ich ein neues, leicht peinliches Hobby: morgens als Erstes nachsehen, wie viel Strom mein eigenes Dach schon wieder produziert hat.
Das klingt nach einem Thema für Leute, die gern über Einspeisevergütung und Amortisationszeiten reden.
Das war auch meine Befürchtung.
Die Realität ist deutlich banaler und gleichzeitig viel befriedigender: Seit vier Wochen habe ich keine einzige echte Kilowattstunde mehr aus dem Netz gezogen.
Was da auf dem Dach und in der Garage steht
Kurz die Hardware, weil das hier gutes Zeug sein soll und nicht nur Gefühl.
Auf dem Dach liegen 30 Module mit knapp 14 kWp. Eins davon gab es umsonst obendrauf, was mir als Technik-Mensch unverhältnismäßig viel Freude bereitet.
Im Technikraum hängt ein Sigenergy Sigen Hybrid-Wechselrichter mit 12 kW, dazu der SigenStor-Speicher mit 9 kWh.
Der Speicher ist modular, ich könnte später also aufstocken. Aktuell reichen die 9 kWh aber, um die Sonne vom Tag in den Abend zu retten.
Vier Wochen, keine echte Kilowattstunde
Gerade ist gutes Wetter. Das muss man ehrlich dazusagen, dazu später mehr.
Aber im Moment passiert genau das, wovon in den Hochglanz-Broschüren die Rede ist, und zwar wirklich: Tagsüber produziert das Dach mehr, als wir verbrauchen. Der Überschuss lädt den Speicher. Abends und nachts lebt das Haus aus dem Speicher.
Der Zähler für den Netzbezug steht dabei praktisch still.
Vier Wochen lang nicht eine echte Kilowattstunde, für die ich zahlen müsste. Das fühlt sich jedes Mal aufs Neue ein bisschen wie schummeln an.
Warum Home Assistant den Unterschied macht
Die Anlage hat eine eigene App, und die ist wirklich gut. Übersichtlich, schnell, ich sehe Erzeugung, Verbrauch und Speicherstand auf einen Blick.
Aber der eigentliche Spaß beginnt, als ich alles per Modbus TCP in Home Assistant einbinde.
Plötzlich ist die Anlage kein abgeschlossenes Produkt mehr, sondern Teil meines Smart Homes. Ich sehe nicht nur Zahlen, ich kann mein Verhalten danach ausrichten.
Spülmaschine, Waschmaschine, das Laden größerer Verbraucher: alles wandert gedanklich in die Stunden, in denen das Dach sowieso mehr liefert, als wir brauchen. Aus Daten wird Verhalten, und genau das ist der Teil, der süchtig macht.
Was ich daran mag
- Der Netzbezug steht still. Bei gutem Wetter kommt der Strom komplett vom eigenen Dach, tagsüber direkt, abends und nachts aus dem Speicher.
- Die App ist richtig gut. Erzeugung, Verbrauch und Speicher auf einen Blick, ohne Bastelei.
- Modbus TCP rein, Home Assistant glücklich. Die Anlage wird Teil des Smart Homes, statt eine Insel zu bleiben.
- Der Speicher ist erweiterbar. Ich muss mich heute nicht für die Ewigkeit entscheiden.
Die ehrlichen Grenzen
Jetzt der Teil, den die Broschüren gern weglassen.
Gerade ist Sommer. Vier Wochen ohne Netzbezug sind beeindruckend, aber sie sind eben auch das Ergebnis von langen, hellen Tagen.
Im Winter wird das anders. Aufs Jahr gerechnet liegt die realistische Autarkie eher bei rund 70 Prozent, nicht bei 100. Physik bleibt Physik, und im Dezember scheint die Sonne nun mal kürzer und müder.
Dafür gibt es aber einen ehrlichen Hebel: Der Wechselrichter ist preissignalfähig für dynamische Stromtarife. Ich kann den Speicher also gezielt dann laden, wenn der Netzstrom am günstigsten ist, und nicht, wenn er gerade am teuersten ist.
Im Sommer brauche ich das nicht. Im Winter wird genau das der Unterschied zwischen "Strom ist halt teuer" und "Strom ist wenigstens schlau eingekauft".
Dazu kommt der offensichtliche Punkt: Das ist eine fünfstellige Investition, in unserem Fall rund 15.000 Euro. Das rechnet sich über Jahre, nicht über Nacht.
Und ganz ehrlich: Die Modbus-Anbindung und der ganze Home-Assistant-Teil sind nerdig. Wer einfach nur Strom vom Dach will und mit der App zufrieden ist, braucht das nicht. Mir macht es Spaß, aber es ist Kür, nicht Pflicht.
Würde ich es empfehlen?
Ja. Mit klarem Kopf, aber ohne Zögern.
Wenn du ein passendes Dach hast, ein paar Jahre vorausdenken kannst und die fünfstellige Investition stemmen willst, dann ist eine Anlage wie diese eine der wenigen großen Anschaffungen, die sich vom ersten sonnigen Tag an richtig anfühlen.
Wenn du dagegen erwartest, dass dich die Anlage im Januar genauso autark macht wie im Juni, wirst du enttäuscht. So funktioniert das nicht.
Für mich ist die Kombination aus Sigenergy, dem SigenStor-Speicher und Home Assistant genau das geworden, was ich mir erhofft hatte.
Kein abgeschlossenes Blackbox-Produkt, sondern ein Stück Haus, das ich verstehe, sehe und steuern kann.
Und dem eigenen Dach beim Geldverdienen zuzusehen, ist jedes Mal aufs Neue ziemlich gutes Zeug.
✦Vier Wochen, keine echte Kilowattstunde aus dem Netz, und ein neues, leicht peinliches Hobby: dem eigenen Dach beim Geldverdienen zusehen.
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